Wendepunkte in der analogen und digitalen Welt
Von der Tontafel zur Künstlichen Intelligenz
Herbert Bruderer, de Gruyter Verlag, gebunden, 400 Seiten,
ISBN 978-3-1191-4626-5, CHF 149.–.
Die Digitalisierung ist in den meisten Bereichen des heutigen Lebens angekommen. Sie verspricht neue Funktionen und Möglichkeiten und lässt das Analoge als Zwischenstufe zu etwas Besserem erscheinen. Wie aber der Autor dieses Buchs zu Recht deutlich macht, bedeutet «analog» nicht zwingend alt und «digital» neu. Beispielsweise war der hier ausführlich behandelte Abakus von Anfang an digital.
Die Lektüre stellt technische Errungenschaften vor, hauptsächlich aus dem Hardware-Bereich, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben (was bei einem Buch dieses Umfangs auch nicht möglich wäre). Dies geschieht weder chronologisch noch systematisch. Der Untertitel «Von der Tontafel zur künstlichen Intelligenz» deutet lediglich darauf hin, dass ein sehr breites Spektrum an Objekten berücksichtigt wurde. Nach den zwei ersten Kapiteln, die aktuellen Entwicklungen gewidmet sind – dem Wandel von analogen zu digitalen Maschinen und gewissen Bereichen der KI –, taucht man tief in die Technikgeschichte ein. Ein Kapitel befasst sich mit der Entwicklung und Funktion des Abakus, ein weiteres mit dem peruanischen Rechenbrett Yupana, dann kommen Bilderuhren aus dem 18. Jahrhundert, Vermessungswerkzeuge aus dem 17. Jahrhundert sowie vielfältige Musikautomaten aus Europa an die Reihe. Beim Kapitel zu den Taschenrechnern dominieren die nichtelektronischen Repräsentanten dieser Gattung wie Kugelrechner, Rechenschieber und mechanische Taschenrechenmaschinen. Den transistorisierten Taschenrechnern ist lediglich eine Seite gewidmet, u. a. mit einem Hinweis auf den HP-35. Der TI-30 von Texas Instruments, der damals vielleicht wichtigste Rechner, findet keine Erwähnung. Vergleicht man dies mit den über 50 Seiten, die den Bilderuhren aus dem 19. Jahrhundert gewidmet sind, wird klar, dass das Buch auf Geräte aufmerksam machen möchte, die eher unbekannt sind, aber gesellschaftlich relevant gewesen sein können, beispielsweise die Vermessungsgeräte. Wer sich für antike Objekte interessiert, findet in diesem Buch eine Fülle an seltenen Bildern, wertvollen Erläuterungen und Quellenangaben für die eigene Recherche.