Vorbereitung auf Energiemangellagen
Individuelle Notfallpläne für kantonale Grossverbraucher schaffen Transparenz
Eine Strom- oder Gasmangellage stellt die Betreiber grosser Gebäudeportfolios vor besondere Herausforderungen. Kantonale Immobilien mit kritischen oder vielfältigen Nutzungen – etwa Gefängnisse, Schulen, Verwaltungsgebäude oder Werkhöfe – müssen im Ernstfall schnell und koordiniert reagieren können. Das Hochbauamt des Kantons Basel-Landschaft, Eigentümer und Betreiber von Immobilien mit unterschiedlichen Nutzungsarten, hat deshalb gemeinsam mit Electrosuisse ein strukturiertes Vorgehen entwickelt, um die Anforderungen der Ostral-Kontingentierung bei einer Strommangellage in den relevanten Gebäuden praxistauglich umzusetzen.
Im Zentrum stehen standortspezifische Energie-Audits, konkrete Massnahmenpläne, Schulungen des technischen Personals und die regelmässige Aktualisierung der Notfallunterlagen. Das Ziel besteht darin, dass die Verantwortlichen vor Ort im Ereignisfall wissen, welche Massnahmen möglich und sinnvoll sind, ohne wertvolle Zeit mit Ad-hoc-Abklärungen zu verlieren. Damit im Ernstfall schnell und effizient gehandelt werden kann.
Technische Analyse und organisatorische Umsetzung verbinden
Die Vorbereitung auf eine Strommangellage betrifft nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch Prozesse, Verantwortlichkeiten, die Gebäudenutzung, technische Anlagen und betriebliche Prioritäten. Gerade bei öffentlichen Immobilien unterscheiden sich die Anforderungen stark: In Verwaltungsgebäuden können gewisse Komfortfunktionen temporär reduziert werden, für sicherheitsrelevante Standorte oder Schulbetriebe gelten jedoch andere Rahmenbedingungen.
Pauschale Sparvorgaben reichen deshalb kaum aus. Entscheidend ist, die elektrische Energieverteilung pro Standort zu kennen, um daraus Massnahmen abzuleiten, die technisch machbar, betrieblich vertretbar und im Ernstfall eindeutig umsetzbar sind. Genau hier setzte das Projekt des Hochbauamts Basel-Landschaft an.
Zunächst wurden die relevanten Objekte erfasst und vor Ort analysiert. Dabei ging es nicht nur um den Gesamtverbrauch, sondern auch um eine detaillierte Aufschlüsselung des elektrischen Energieverbrauchs: Welche Verbrauchergruppen gibt es? Welche Anlagen sind zwingend notwendig? Wo bestehen kurzfristig nutzbare Einsparpotenziale? Und welche Massnahmen lassen sich ohne Gefährdung des Betriebs umsetzen?
Die Analyse erfolgte im engen Austausch mit dem technischen Personal vor Ort. Dieser Einbezug war wichtig, da Gebäudetechnik und Nutzungspraxis standortspezifisch sind. So konnten nicht nur mögliche Kontingentierungsmassnahmen definiert, sondern auch zusätzliche Effizienzpotenziale und energetisch relevante Situationen erkannt und besprochen werden.
Individuelle Massnahmenpläne
Aus den Erkenntnissen entstanden individuelle Massnahmenpläne für jeden relevanten Standort. Sie beschreiben konkrete Handlungsmöglichkeiten, deren erwartete Wirksamkeit, die Umsetzbarkeit sowie die zuständigen Personen. Ergänzend wurde eine übergeordnete Strategie für das gesamte Gebäudeportfolio entwickelt. Dadurch erhält die Koordinationsebene einen Überblick über die Einsparmöglichkeiten und kann im Ereignisfall einheitliche Anweisungen an das Betriebspersonal geben.
Dabei muss die relevante Dokumentation aktuell sein, was eine Herausforderung sein kann, denn Gebäude, technische Anlagen und Nutzungen werden laufend verändert, beispielsweise durch Bauarbeiten, Nutzungsänderungen, neue PV-Anlagen oder den Ersatz technischer Systeme. Deshalb werden die Notfallpläne nach ein bis zwei Jahren mit aktuellen Energiedaten überarbeitet, abweichende Standorte analysiert und neue Objekte aufgenommen.
Klarheit, Struktur und Know-how vor Ort
Das Projekt zeigt, dass Krisenvorbereitung dann wirksam wird, wenn technische Analyse und organisatorische Umsetzung zusammen gedacht werden. Für das Hochbauamt Basel-Landschaft sind strukturierte und standortspezifische Massnahmenpläne entstanden, ebenso eine Übersicht über das Gebäudeportfolio, klare Anweisungen für das Betriebspersonal und eine aktualisierte Datengrundlage für den Ernstfall.
Zu den zentralen Ergebnissen gehören:
- klare und umsetzbare Massnahmenpläne für die relevanten Standorte,
- Transparenz über den Stromverbrauch und die Zuordnung zu Verbrauchergruppen,
- eine übergeordnete Strategie für das Gebäudeportfolio mit Einsparpotenzialen und Koordinationsmöglichkeiten,
- geschultes Betriebspersonal, das die Massnahmen im Ereignisfall kennt und anwenden kann,
- fachliche Unterstützung bei technischen Fragen und im Fall einer Strommangellage.
Peter Meier, Leiter des technischen Gebäudemanagements beim Hochbauamt des Kantons Basel-Landschaft, hat das Projekt begleitet. Sein Fazit: «Die Zusammenarbeit mit Electrosuisse war umfassend und effizient. Electrosuisse hat uns strukturiert durch den Prozess zur Vorbereitung auf eine Strommangellage geführt und uns kompetent und pragmatisch unterstützt.»
Fazit: Resilienz entsteht vor dem Ernstfall
Die Vorbereitung auf eine Energiemangellage ist ein kontinuierlicher Prozess. Entscheidend sind aktuelle Daten, klare Verantwortlichkeiten, geschulte Mitarbeitende und ein realistisches Verständnis der betrieblichen Anforderungen.
Das Beispiel des Hochbauamts Basel-Landschaft zeigt, wie Grossverbraucher ihre Krisenvorbereitung systematisch stärken können. Individuelle Energieanalysen und Notfallpläne schaffen nicht nur Sicherheit im Ereignisfall, sondern liefern auch wertvolle Erkenntnisse für den laufenden Betrieb, die Energieeffizienz und die strategische Weiterentwicklung des Gebäudeportfolios.