Stern von Laufenburg
Fotografien von Kaspar Thalmann
Sam Scherrer (Hrsg.), Scheidegger & Spiess Verlag, kartoniert, 88 Seiten,
ISBN 978-3-03942-311-8, CHF 49.–.
Der Einstieg in dieses Buch ist puristisch, ohne Text. Die Bilder sprechen für sich. Grossformatig, manchmal wie abstrakte Gemälde mit Texturen, Mustern und Linien, dann wieder mit konkreten Details wie Isolatoren oder Maststrukturen, die klar machen, dass es sich um Höchstspannungsnetze handelt. Perspektiven, Tages- und Jahreszeiten wechseln ab und zeigen, mal farbig, dann wieder schwarz-weiss, die ästhetischen Seiten der Elektrotechnik. Der Architekt und Fotograf Kaspar Thalmann hat sich Zeit genommen, um die Schaltanlage, die unter der Bezeichnung «Stern von Laufenburg» weltbekannt ist, auf visuell ansprechende Situationen zu untersuchen. Und hat dabei einiges entdeckt, das sich lohnt, in einem Buch dokumentiert zu werden.
Fast in der Hälfte des Buchs stösst man dann doch noch auf Text – auf das Vorwort des Herausgebers Sam Scherrer, mit Gedanken zur weitgehend unsichtbaren elektrischen Energie und zur Versorgungssicherheit, die er mit Überlegungen zu den Bildern kombiniert. Und dazu auffordert, «genauer hinzuschauen auf das, was uns versorgt, verbindet und herausfordert». Anschliessend macht der Journalist Adi Kälin auf das Phänomen der Mastenfreunde aufmerksam, die sich darüber ärgern, wenn auf Ansichtskarten Hochspannungsmasten wegretouchiert werden, und gibt eine Übersicht über die Geschichte der Elektrizität in der Schweiz, vom Anfang der elektrischen Beleuchtung bis zur Dunkelflaute 2024. Schliesslich interpretiert die Kunsthistorikerin Meret Arnold die Bilder und geht auf ihre Entstehung ein. Beispielsweise auf die der Drohnenbilder, die Kaspar Thalmann von den grenzüberschreitenden Leitungen gemacht hat. Diese wären nach 2023, als uns der russische Angriff auf die Ukraine die Verwundbarkeit des Energiesystems vor Augen geführt hat, nicht mehr möglich gewesen.
Ein gelungenes Buch, das den Blick für die in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft unerwünschte Netzinfrastruktur schärft und sie von ihrer schönen Seite zeigt.