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ICT

«Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern das Mittel zum Zweck»

Finanz + Wirtschaft-Forum «Industrie 4.0»

04.12.2019  | 
Bild: Radomír Novotný
Swissmem-Präsident Hans Hess stellte den Nutzen ins Zentrum seiner Keynote. | Bild: Radomír Novotný

Radomír Novotný

ist Chefredaktor des Bulletin.ch.

  • Electrosuisse
    8320 Fehraltorf
  • E-Mail

Die Digitalisierung und die Vernetzung der industriellen Produktionsmaschinen untereinander und mit den Kunden verspricht eine ungeahnte Flexibilität und Effizienz für Fertigungsprozesse. Einblicke in die aktuelle Situation bezüglich der Umsetzung dieser digitalen Revolution erhielt man am 30. Oktober 2019 an der 5. Auflage des Industrie-4.0-Forums von Finanz und Wirtschaft in Rüschlikon.

David Strauss von Nestlé zeigte auf, wie man die Digitalisierung schrittweise in einem Grossunternehmen einführt.
David Strauss von Nestlé zeigte auf, wie man die Digitalisierung schrittweise in einem Grossunternehmen einführt. | Bild: Radomír Novotný

In der Keynote ordnete der Präsident von Swissmem, Hans Hess, die Digitalisierungsbemühungen der Industrie ein. «Die technologischen Möglichkeiten sind beeindruckend, aber was ist der Nutzen?», so seine Einstiegsfrage. Es gäbe zwar Vorteile wie eine schnellere, effizientere Produktion, aber am Schluss ginge es darum, Nutzen zu stiften und Wertsteigerung zu erreichen. Hans Hess präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage unter Swissmem-Mitgliedern, die herauszufinden versuchte, wo die Firmen bezüglich Digitalisierung stehen. 94% haben bereits digitale Projekte initiiert oder am Laufen. 46% sind in mindestens drei Bereichen der Wertschöpfungskette mit digitalen Themen aktiv. Gemäss der Umfrage steht für die Firmen der Zusatznutzen für ihre Kunden im Zentrum, nahe gefolgt von der Steigerung der Produkt- und Servicequalität. Die Kundenbindung hat auch einen hohen Stellenwert. Im Vergleich mit 2016 sind rund 20% mehr Firmen bei Industrie 4.0 aktiv. Das Resultat sei ein klarer Kundennutzen. Man müsse deshalb herausfinden, welcher Nutzen von Kunden erwartet wird. Als Grundlage für die Einführung neuer Technologien in Unternehmen nannte Hess die Bildung und die Firmenkultur. «Ein Unternehmen muss sich als Ganzes weiterentwickeln. Es genügt nicht, nur die Technologie-Kompetenzen auszubauen.» Er illustrierte erfolgreiche Umsetzungen von Industrie 4.0 anhand zweier Beispiele: Müller Martini, das nicht nur den Digitaldruck eingeführt, sondern auch die Nachfolgeprozesse individualisiert hat, sowie die Aufzugsfirma Schindler, bei der die Logistik für Servicemonteure digitalisiert wurde. Hans Hess wies zudem auf ein Online-Tool für KMU hin, mit dem Industrie-4.0-Projekte identifiziert werden können: quickstarter2025.ch.

Wie die Digitalisierung statt zur Produktivitätsoptimierung zur Rettung von Menschenleben eingesetzt werden kann, erfuhr man von Sascha Hardegger von der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Bei der Rega stehe die Kundenbindung nicht im Fokus; man sei froh, wenn man die Kunden nur einmal sieht – ihnen gehe es ebenso. Die Digitalisierung durchziehe die gesamte Organisation, beispielsweise indem man Daten zu Landeplätzen nicht mehr in Karteikästchen hat, sondern digital. Auch das Einsatzdispositiv sei elektronisch. Man sieht die Mittel in Echtzeit.

David Strauss von Nestlé erläuterte die Digitalisierung im Lebensmittelunternehmen mit 420 Standorten und 130’000 Mitarbeitenden. Die Firma bewegt sich vom Alten zum Neuen auf komplementäre Weise, d. h. das Alte bleibt parallel auch bestehen. Dabei müssen Prioritäten gesetzt werden, wo man den digitalen Hebel zuerst ansetzen möchte. Sein Fazit – und eigentlich der Grundtenor des gesamten Forums – lautete: «Die Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern das Mittel zum Zweck.»

Downloads

  • 2019_12_Rueckschau Finanz_und_Wirtschaft_Forum_Industrie_4 (PDF)

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