Digitalisierung im Fokus
CES-Konferenz – 29.9.2026
Micha Röllinghoff eröffnete die CES-Konferenz im Technorama Winterthur mit Gedanken zu aktuellen gesellschaftlichen Trends wie dem Trend zum Nationalismus und betonte, dass es wichtig sei, demokratische Werte zu sichern. Normen können dabei Hilfsmittel darstellen, um politische Ziele zu erreichen. Seit der letzten CES-Konferenz vor drei Jahren hätte sich zudem die Situation verändert: Diversitätsfragen und gewisse Nachhaltigkeitsthemen haben an Bedeutung verloren, dafür sind andere Themen wichtiger geworden.
Die Vision des CES stand zu Beginn im Fokus: Die Interessen aller Parteien sollen vertreten werden und der Know-how-Transfer soll sichergestellt sein. Dazu müssen die nötigen Expertinnen und Experten für die Arbeit in den technischen Gremien gewonnen werden, denn eine Verjüngung ist wichtig. In Zukunft sollen die Kunden digitale Dokumente bekommen, die möglichst aktuell sind.
Wie Content entsteht und verfügbar wird
In seinem Vortrag stellte David Nix von IEC die Möglichkeiten der digitalen Transformation in der Standardisierung vor. Früher hat man zwar die Systeme gewechselt, aber die Wertschöpfungskette blieb unverändert. Heute will man auch letztere aktualisieren, um sie effizienter machen: Inhalte sollen anders geschaffen werden als früher. Er zeigte auf, was die IEC in den letzten Jahren digital umgesetzt hat, beispielsweise, um auf neuen Wegen neue Märkte zu erschliessen. Klar ist für ihn, dass es für eine digitale Industrie auch digitale Normen braucht. Heute werden noch PDFs eingesetzt, künftig soll der Inhalt in Datenform direkt verfügbar sein.
Nach der IEC kam Europa ins Blickfeld: Gonçalo Ascensăo von Cenelec stellte den globalen Ansatz der Arbeit von CEN und Cenelec vor. Insgesamt gibt es 25 000 Europäische Normen. 75,2% des Cenelec-Portfolios sind dabei identisch zum ISO-Portfolio, bei wachsendem Trend. Die Langzeit-Vision von Cenelec geht auf verschiedene Aspekte ein, die vergleichbar mit denen der IEC sind: eine höhere Flexibilität, zusätzliche Dienste, neue Geschäftsmodelle, finanzielle Nachhaltigkeit und Daten statt Dokumente. Bei Daten liegt der Fokus auf der Bereitstellung, d. h. Kunden sollen die Daten in der Form erhalten, die ihren Bedürfnissen entspricht.
Die Schweizer Situation
Anschliessend ging Barbara Mullis auf die nationale OSD ein, die Online-Standards-Development-Plattform, und gab Ausblick auf die Neuerungen der ISO/IEC Directives. Sie stellte die Übernahme von Normen und die Anreicherung mit nationalen Elementen vor und ging auf die über dutzend Änderungen im Normenwesen ein, bespielsweise auf die Neuigkeit, dass alle Projekte nun an Working Groups vergeben werden, denn die Project Teams und Maintenance Teams wird es künftig nicht mehr geben. Zudem wird künftig alles grundsätzlich schneller gehen. Projekte müssen die Approval Stage innerhalb von 36 Monaten erreichen, damit man sie nicht verliert. Früher hatte man 5 Jahre Zeit.
Die deutsche Perspektive brachte dann Nahid Jui Pervin von DKE, der Deutschen Kommission Elektrotechnik ein. Sie erläuterte die Smart Standards, die sich durch die Eigenschaften «Standard, Machine, Applicable, Readable, Transferable» auszeichnen, also für Maschinen lesbar und anwendbar sein sollen und für Nutzer anwenderspezifisch zusammengestellt werden können. Heute genügt es nicht mehr, die Resultate der Normung als Dokumente zu liefern. Dadurch lassen sich Normanforderungen einfacher in die Produktanforderungen integrieren. Das automatische Änderungsmanagement spart bei Revisionen Zeit und Konformitätsnachweise werden vereinfacht.
Vor dem Mittagessen wurden die IEC 1906 Awards durch Micha Röllinghoff, CES-Präsident, verliehen.
Elektrifizierung aller Lebensbereiche
Vimal Mahendru von IEC skizzierte die Geschichte der Elektrizität. Die Zukunft dürfte eine komplett elektrifizierte und verbundene Gesellschaft bringen, geprägt durch die drei Aspekte Konnektivität, Nachhaltigkeit sowie erneuerbare Energien. Da braucht es Normung auch auf Systemebene.
Adrian von Mühlenen stellte den digitalen Produktpass und seine Vorteile vor. Er erläuterte, wie man für einen DPP bereit werden kann. Peter Blattner von Metas erläuterte den Begriff Qualitätsinfrastruktur, der in der Schweiz selten verwendet wird. In Deutschland sei der Begriff eher verbreitet.
Der CES-Generalsekretär Mario Schleider zeigte die Zusammenhänge von Normen und Konformitätssystemen auf. Er plädierte für klare, eindeutige Formulierungen in den Normen, damit die Prüfer eine einfachere Arbeit haben und der Marktzugang erleichtert wird.
Stéphane Henry, BFE, ging auf den Schutz von kritischer Infrastruktur ein. Weil uns niemand nach unserer Meinung fragt, bevor er uns angreift, ist ein Zuwarten, bis die Situation kritisch ist, keine Option, denn dann ist es zu spät. Wir müssen uns auf einen hybriden Krieg vorbereiten und Resilienz aufbauen: Geräte schützen, ein Monitoring für Angriffe einrichten, Ersatzmaterial für die Reparatur organisieren und Kompetenzen bereitstellen.
Eine mit einem Apéro kombinierte Blitzshow rundete die inspirierende Konferenz ab und wies auf Aspekte der Elektrifizierung hin, die auch in Zukunft von der Digitalisierung unberührt bleiben dürften.